Wie Wurzeln überhaupt ins Rohr kommen
Ein intaktes Rohr wachsen Wurzeln nicht durch. Sie finden ihren Weg über undichte Muffen, Risse, Scherbenbildung oder verschobene Rohrverbindungen – typisch bei Steinzeug- und Betonrohren aus den 1950er- bis 1980er-Jahren mit Teerstrick- oder Mörteldichtungen. Feuchtigkeit und Nährstoffe, die aus dem Leck austreten, ziehen die Wurzeln an; im Rohr selbst finden sie ideale Bedingungen und verzweigen sich.
Wurzeleinwuchs ist deshalb immer ein Symptom: Wo Wurzeln sind, ist das Rohr undicht.
Besonders betroffen sind Grundstücke mit alten Obstbäumen, Pappeln, Weiden oder dicht gepflanzten Sträuchern nahe der Leitungstrasse. Das Rohrmaterial spielt mit: Steinzeug- und Betonrohre mit Muffenverbindungen bieten mehr Angriffspunkte als verschweißte Kunststoffleitungen. Nach dem Entfernen mit der Wurzelfräse kommt es ohne Abdichtung fast immer zu erneutem Befall.
Woran Sie Wurzeleinwuchs erkennen
- Wiederkehrende Verstopfungen der Grundleitung, oft im Frühjahr und Sommer, wenn Wurzeln wachsen
- Gurgelnde Geräusche und langsamer Ablauf mehrerer Abflüsse
- Bei der Spiralreinigung kommen Wurzelfasern zurück
- Besonders kräftiger Bewuchs oder ein Baum in der Nähe der Leitungstrasse
- Auf dem Kamerabild: vom Muffenspalt ausgehende, haarige oder strangförmige Wurzeln
So werden Wurzeln entfernt
Mit der Spirale lassen sich feine Wurzeln kurzfristig durchbrechen – sie wachsen aber nach. Gründlicher arbeitet die Wurzelfräse: ein Fräskopf an der Spirale oder ein Hochdruck-Wurzelschneider, der die Wurzeln bündig an der Rohrwand abtrennt. Anschließend spült der Hochdruck die Reste aus, und die Kamera zeigt, wo genau der Einwuchs war – und wie groß der Schaden am Rohr ist.
Chemische Wurzelvernichter sind in der Regel weder zulässig noch sinnvoll: Sie schädigen den Baum, belasten das Abwasser und beseitigen die Ursache nicht.
Dauerhaft verhindern: Das Leck schließen
Solange die Muffe undicht ist, kommen die Wurzeln wieder – oft schon nach ein bis zwei Jahren. Dauerhaft hilft nur, die Eintrittsstelle abzudichten: bei einzelnen Muffen mit einer partiellen Innenreparatur (Kurzliner, Manschette), bei mehreren Schadstellen oder rissigem Rohr mit einem durchgehenden Inliner. In beiden Fällen wird nicht aufgegraben. Nur bei stark verformten oder eingebrochenen Rohren bleibt der Austausch in offener Bauweise.
Wer einen Baum in der Nähe der Leitung pflanzt, sollte Wurzelsperren einplanen und tiefwurzelnde Arten meiden – aber der wirksamste Schutz ist ein dichtes Rohr.
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Häufige Fragen
In der Regel nicht. Wird das Rohr abgedichtet, findet die Wurzel keinen Zugang mehr und wächst anderswo weiter. Der Baum ist selten das Problem – das undichte Rohr ist es.
Grundsätzlich ist jeder Eigentümer für den dichten Zustand seiner Leitung verantwortlich – Wurzeln können nur in undichte Rohre wachsen. Ansprüche gegen Nachbarn oder Kommune sind schwierig; eine Kameradokumentation ist im Streitfall die wichtigste Grundlage.
Ohne Abdichtung meist jährlich, bei kräftigen Bäumen häufiger. Rechnen Sie die Reinigungskosten über fünf Jahre zusammen – oft ist die einmalige Sanierung der Muffe günstiger.
